Zoran Velinov

Malerei, Musik, Performances, Objektkunst


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Es klänge viel zu romantisch, ihn nur als träumerisches Exemplar von Maler darzustellen. Er hat nur den Mut gehabt, sich auf das Wagnis einzulassen, von Kunst zu leben und war sich nie zu schade, abseits seiner Leidenschaft für Sujets der Phantasie auch Bilder zu malen, die von Menschen gerne zu vernünftigen Preisen gekauft werden. Aber wie sonst sollte er auch finanzieren, was die meisten an ihm fasziniert: Ein Reiseführer zu sein. Oder ein Türschließer. Am Tor zur Phantasie. Menschen mitzunehmen in eine Welt, die real ist, aber aus Träumen geschaffen wurde.

Vielleicht war es das Nichts – oder die Weitsicht eines Lehrers, welches sein Talent beförderte. 

Talent, das er irgendwie hatte, woher spielt ja auch eigentlich keine Rolle. Das Nichts war ein kleines Dorf in Serbien, Noch zu Zeiten des Sozialismus. Also – vom Westen aus betrachtet – in einer ziemlich Öde. Doch wie Millionen andere Lebensschicksale auch zu berichten wissen: die Menschen wurden irgendwie mit der Situation fertig und haben mental nicht resigniert (wofür ihnen übrigens viel zu wenig Anerkennung zuteil wird).

Einer davon war Zorans Lehrer. Der duldete, was Lehrer nicht immer dulden, nämlich dass sich ein Schüler weit von den Vorgaben des Unterrichts entfernte und irgendwie seinen gedanklichen Weg ging (klingt nett, „Kopf durchsetzte“ wäre wahrscheinlich treffender). Vor allem im Kunstunterricht. Was dem Lehrer sehr auffiel, keines-wegs missfiel und er, der Lehrer, ihn, Zoran, deshalb in einen speziellen Förderkurs nahm: Kunst. 

Allerdings nicht zu vergleichen mit einer Akademie. Und in sozialistischer Armut: hier sind ein paar Farben, so stellt man improvisert Malhintergründe her. Zoran, mach!  

Das war es, das Studium.

„Danach kam alles wie von selbst“.  

„Warum ich wie gemalt habe, darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Mir war weder eine Systematik noch die Motive bewusst, die mich bewegten. Alles, was ich geschaffen habe, kommt aus dem Unterbewusstsein und beschäf-tigt sich – warum, weiss ich wirklich nicht – mit den Themen Landschaft und Mensch“. Aha, es ist also der Ausdruck der Emotionen des Unterbewusstseins? Nein, will Zoran Velinov seinem Bekenntnis zu Intuition entgegensetzen, „es geht auch um Formen und ihre Auflösung“. Aha. Ja und jetzt?

Eben, das ist doch, was bloßes Malenkönnen von der Kunst, malen zu können, unterscheidet: Kunst bedarf keiner Interpretation. Nur Theoretiker sind so vermessen, Mal-Lebensläufe in Perioden, Klassen, Schulen, Stile, Techniken einzu-teilen. Zoran ist kein Theoreti-ker.  

Also muss man im Nichts und im Talent forschen, was diesen Maler Velinov zum wahrlichen Künstler machte. 

Der Anteil des Nichts: als er begann zu malen – autodidaktisch – hatte er weder Vorbilder noch Kenntnisse noch Anleitung. Und so erschien ihm alles, was er machte, richtig, logisch, die einzige Möglichkeiten zu sein. 

Zoran Velinov hatte eine Freiheit, wie sie eigentlich selten geworden ist im verschulten Europa: er konnte seine Fähigkei-ten ohne strafende Erziehung oder verlotternde Lustlosigkeit ausleben, ausprobieren. 

Der Anteil des Talents: „Von Anfang an besaß ich die Fähigkeit, mit räumlicher Tiefe zu malen. Weder weiß ich warum, noch ist mir klar, wieso es ein Besonderes wäre, so zu malen zu können. Ich tue es einfach.“


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